Montag, 16. Juni 2014

Die Flucht in die Freiheit

 Es war eine gute Möglichkeit zu fliehen – zu fliehen aus erdrückender Trauer und tiefem Schmerz.
Wir, eine Gruppe von 24 Schülern und einigen Lehrern, gingen ein weiteres Mal wandern.
Die Sonne schien und selbst der harte Anstieg für über 2 Stunden tat uns allen gut. An der Spitze angekommen waren wir noch immer nicht am Ziel. Wir gingen weiter ohne den richtigen Weg zu kennen, aber schließlich führen alle Wege zum Ziel. Glücklicherweise kannten wir nicht den „richtigen Weg“, denn nur so konnten wir die Freiheit und Afrika wieder einmal hautnah erleben – eine Herde Zebras trabte neben uns her und begleitete uns eine Weile auf unserem Weg.
Dann ging es noch einmal hinauf – es fühlte sich an, als ob wir den Himmel mit unseren Händen greifen könnten. Und endlich waren wir da – am Ziel. Am Execution Rock („Felsen der Hinrichtung“, da sie hier früher Straftäter vom Felsen gestoßen haben). Die Aussicht war atemberaubend und nach einer erfrischenden Mahlzeit fühlte sich der Rückweg viel leichter und freier an...


Einmal Kind sein

Man könnte meinen mit 17 oder gar 18 Jahren sollte man langsam erwachsen werden und sich den ernsten Seiten des Lebens stellen. In Waterford geben wir in dieser Hinsicht unser Bestes und versuchen umweltbewusst und verantwortlich zu handeln und die Welt in eine bessere zu verändern. Doch manchmal muss man einfach noch einmal Kind sein und sich mit kleinen Freu(n)den den Tag versüßen...
So saßen wir also zu Fünft im Comunity Service Raum. Eingekuschelt in warme Decken und Kissen und waren voller Vorfreude. Als dann der Film losging mit dem Song „Two Worlds, one family“ und sich Tarzan von Liane zu Liane über den Bildschirm schwang, waren wir so glücklich. Wie kleine Kinder versanken wir in den Welten von Disney, sangen lautstark mit und waren gefesselt von der Geschichte dieses kleinen Jungen, der nicht weiß woher er kommt. Es war ein unglaublich schöner und entspannter Abend, mit vielen Tränen der Freude und Kindheitserinnerungen...

Football World Cup 2014

Schüler und Lehrer aus aller Welt und jeden Alters vereint in einem großen Saal. Vor einer großen Leinwand. Jeder trägt sein Nationaltrikot oder zumindest eine Fahne mit sich.
Und dann geht es los – die Eröffnungsveranstaltung. Farbenfroh, vielseitig – voll Hoffnung und Stolz. So wie Waterford. Selbst zum Anpfiff des ersten Spiels sind alle noch da – eine extra Genehmigung der Schulleitung, dass selbst die jüngeren Schüler noch nicht zur gewohnten Zeit ins Hostel müssen. Wir jubeln, ohne zu wissen, welches Team wir eigentlich unterstützen. Es geht ums Prinzip – und ums Gewinnen. Menschen aus aller Welt liegen sich in den Armen – glücklich, dass sie einander haben...

Schwere Zeiten...

Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.

Bertolt Brecht

Eine schockierende Nachricht. Angst, Trauer und Ungewissheit. Keiner weiß, was passierte. Keiner weiß, wie am besten damit umzugehen ist. Keiner weiß irgendwas – jeder weiß gar nichts.
Es liegt schwer in all unseren Herzen und die Atmosphäre ist erdrückend. Weinende, junge Menschen in jeder Ecke. Die Trauer hat uns alle gepackt – selbst jene, die nur wenig über sie wussten...
Eine Andacht. Die Familie ist da. Geschwister, Großeltern, Onkel und Tanten – und die Eltern. Zerstört vom tiefen Schmerz, den der Verlust eines jungen Menschen auslöst. Reden von Freunden und Lehrern. Keiner von ihnen kann die fertig geschriebene Rede zu Ende bringen, bevor die Tränen wiederkommen. Gebete. Wir singen, begleitetet von Schluchzen und Aufschreien. Der Schmerz sitzt tief – sehr tief. Und dann die Rede einer Familienangehörigen – wir sollten weiterdenken, doch sie nie vergessen. Wir sollten es für sie tun. Wir sollten für sie, die Schule zum besten College der Welt machen. Für sie...

May your soul rest in peace.

Ereignisse über Ereignisse...

Nun sind schon wieder 2 Wochen vergangen seit Bushfire und meinem letzten Eintrag und vieles ist passiert. Einen kleinen Überblick dazu gebe ich euch hier:

  • Vermutlichen wissen die wenigstens von euch, dass der 05. Juni „World Environnment Day“ ist. Ja, ich wusste es auch nicht, bis wir bereits am 04.06. diesen Tag in der Schule vorfeierten. Das Motto des Tages stand unter dem Slogan „Raise your voice, not the sea level.“. Eröffnet wurde der Tag mit allerlei Reden und Präsentationen und der schockierenden Nachricht, dass in einigen Jahrzehnten Inseln wie die Malediven oder Barbados nicht mehr existieren werden. Ansonsten passierte erstaunlich wenig...
  • Am gleichen Tag hatten wir einen weiteren Interhouse Wettbewerb, wie schon die Swimming Gala und die Interhouse Athletics. Dieses Mal war es allerdings nichts sonderlich Sportliches, auch wenn der Name das Gegenteil behaupten möchte: Theatersport! :) Dabei trat je ein Team der 3 Häuser, zusammengestellt aus 2 Schülern jeden Jahrgangs, in verschiedenen Kategorien des Improvisationstheaters an. Für die Darsteller wurde es dabei zum Teil recht kompliziert, für die Zuschauer war es hingegen äußerst unterhaltsam. Leider verlor das Haus Stern ein weiteres Mal und Guedes musste sich knapp hinter Henderson geschlagen geben...
  • Seit nun etwa 2 Wochen geht es heikel zu in der Waterford Politik: die neuen Schülerratswahlen standen an. Das klingt nun recht banal, wird aber hier deutlich ernster betrieben, als ich es aus Deutschland kenne. Jeder Schülerratsvorstand besteht nur für ein Jahr, da IB1s im 2.Term gewählt werden und ein Jahr später die neuen IB1s an der Reihe sind. Dementsprechend ernst wir die ganze Sache genommen. Zu Beginn des Terms durften sich IB1s melden, welche entweder als Vorsitzender oder Stellvertreter antreten wollten. Vor 2 Wochen dann begann für jene Kandidaten eine Tour durch die Hostels, während welcher sie sich den verschiedenen Jahrgängen mit all ihren Ideen und Versprechungen vorstellten. Am Mittwoch musste jeder der insgesamt 8 Kandidaten eine Rede halten. Die meisten davon hätten als echte politische Reden durchgehen können – über Transparenz und Kommunikation, über Integration und Konsumgesellschaft – alles war dabei. Am folgenden Tag gab es dann dazu eine Diskussionsrunde, in der die Kandidaten mit Fragen zu ihren Ideen und Vorhaben konfrontiert wurden – dabei ging es wirklich heikel zu. Nun, am Freitag wählten dann also die jüngeren Schüler und heute durften die IBs wählen. Mal schauen, wer dann als neue(r) Präsident(in) und neue(r) Stellvertreter(in) vor uns stehen wird während der feierlichen Zeremonie am Mittwoch...
  • Am Samstag zelebrierten wir in Waterford die „Earth Hour“ - wieder ein Ereignis, von dem ich keine Ahnung hatte, das es existiert – man lernt hier wirklich jeden Tag immer wieder neue Dinge. ;) Dabei handelt es sich um ein symbolisches Energiesparen unter dem Schlagwort „Licht aus!“. Dieses Jahr fand die weltweite „Earth Hour“ (oder auch „Stunde der Erde“) am Abend des 29.März statt. Da dieses Datum aber genau auf unseren UWC Day fiel, veranstalteten wir eben unsere eigene. Am Samstag Abend 18 Uhr also wurde es dunkel auf dem Waterford Campus. Unsere kleinen Solarlampen bildeten die einzige Lichtquelle für die folgende Stunde. Da es sich nun mal schlecht macht im Dunkeln Hausaufgaben zu machen, versammelte man sich also in der Assembly Hall und lauschte den verschiedensten künstlerischen Beiträgen von Slam Poetry, über Reden bis hin zum Meister am Klavier und im Gesang. Ein wirklich gelungener Abend!
  • Tja und bei uns wird nun auch langsam Winter. Das heißt, es hat nun seit über 2 Monaten keinen Tropfen Wasser mehr geregnet, die Sonne scheint – aber der Wind ist eisig. Das heißt, eigentlich ist es gar nicht so schlimm kalt – aber wir frieren trotzdem alle. Das liegt zum Großteil daran, dass die Gebäude in den kalten Nächten extrem abkühlen und wir befinden uns nun mal in Afrika, da gibt es keine Heizungen. Und so kommt es, dass es in den Klassenräumen und im Hostel meist kälter ist als draußen und die Schüler in Winterstiefeln, Wollmützen und Handschuhen im Unterricht sitzen. Noch dazu kommt, dass sich unser campuseigener Wasservorrat langsam aber sicher dem Ende zuneigt, weswegen wir meist kein warmes Wasser mehr haben und öfter auch für einen Tag gar keins mehr. Aber wir machen das Beste draus und genießen zumindest die winterlichen Sonnenstrahlen...

Montag, 2. Juni 2014

Bring your fire – to BUSHFIRE!

Wie es der Zufall, das Schicksal oder wer auch immer es gut mit mir meint, will, war das größte und beste Musikfestival in Swasiland am Wochenende meines Geburtstages – BUSHFIRE.
Nach einem außerordentlich angenehmen Tag in Waterford war ich für wenige Stunden bei meiner Link Family.
Anschließend ging es dann am Freitag Abend zum House on Fire, einem riesigen, wunderschönen Gebäude,welches zum Großteil als Club genutzt wird. Drum herum war für dieses Wochenende ein großes Gelände mit mehreren Bühnen, Essensständen und einem Marktplatz aufgebaut. (Ein bisschen könnt ihr euch das Festival vielleicht wie das Folklorum in Einsiedel vorstellen, wer das kennt.) Das ganze Wochenende wurde dort also kräftig gesungen, getanzt und gegessen – einfach richtig gefeiert. Die Musik kam hauptsächlich aus der Region, aber es waren auch Gruppen aus China, Frankreich, USA und vielen weiteren Ländern vertreten. So wie die Herkunft der Bands variierte, war auch die Qualität und der Stil der Musik in einer großen Vielfalt vorhanden. Das Meiste war richtig gut! Auch das Publikum war äußerst vielseitig: da waren die ausgelassenen, tanzenden Hippies – die die meiste Zeit high waren, da waren Familien mit ihren kleinen Kindern, ältere Ehepaare, Touristen, Einheimische in ihren traditionellen Gewändern und gefühlt jeder Zehnte war entweder Lehrer, Schüler, Elternteil oder Ehemaliger von Waterford. ;) Deutsche waren nebenbei erwähnt auch eine ganze Menge da und man hörte die interessantesten Geschichten: eine Dresdnerin, die einen Südafrikaner geheiratet hat und nun in Swasiland zu Bushfire an einem mexikanischen Essensstand Tacos verkauft. Oder die Düsseldorfer, die eigentlich nur zum Urlaub hier waren und dann durch Zufall als Kartenabreißer am Eingang von Bushfire engagiert wurden. Neben all der Musik gab es noch eine Vielzahl an internationalen Leckereien, einige Kunstausstellungen und Comedyvorstellungen und einen Marktplatz mit allerlei Souveniren und handgefertigten Dingen aus Swasiland und Umgebung.
Ich hatte nun also Karten für alle 3 Tage (Freitag-Sonntag) und nutzte das natürlich ordentlich aus. Ich war viel unterwegs mit meiner Link Family, hatte aber auch genauso viel Spaß mit meinen Freunden aus Waterford.
Es war ein absolut schönes und lustiges Wochenende, mit wenig Schlaf aber vielen neuen Erfahrungen!!!


Happy Birthday!

5:30 Uhr klopft es an meiner Tür, ein Geburtstagsständchen wird gesungen. Dann soll ich duschen gehen. Als mir dann 6 Uhr morgens meine Freunde Geschenke in die Hände drücken mit den Worten „Lass uns mal eine Runde gehen!“, blicke ich noch müde und verwundert drein. Schließlich ist es noch dunkel draußen und das Hostel wurde gerade erst aufgeschlossen. Doch bald verstehe ich...
Wir wandern unseren Schulberg hinauf – meine Geschenke muss ich natürlich selbst hinauf tragen. Ein bisschen wie die Lasten des Lebens, die mit jedem Lebensjahr ein wenig schwerer auf dem Rücken wiegen. Jeder Schritt, den ich den Berg hoch steige, kommt wir vor wie ein Schritt auf dem langen Weg, der noch vor mir liegt – steil, beschwerlich doch irgendwie reizvoll. Der Anfang ist getan, doch bis zum Ziel fehlen noch einige Schritte... Stolpern, Hinfallen und wieder Aufstehen... Jeden Tag, ein Leben lang.
Als wir oben ankommen, geht die Sonne gerade auf – perfektes Timing! Und dann darf ich auch endlich meine Geschenke auspacken – niedliche, kleine Dinge mit Erinnerungen an die Zeit, die wir alle bereits miteinander verbringen durften. Ein Paket aus der Heimat ist auch dabei.
Anschließend treten wir den Rückweg an, verlaufen uns ein wenig im Gebüsch und hätten beinah das Frühstück verpasst. Doch wir waren alle glücklich – und ich wohl der glücklichste Mensch der Welt.


Sonntag, 25. Mai 2014

Der Sonne so nah

Gestern Nachmittag ging es mit unserer Klettergruppe hinauf auf einen unserer „Schulfelsen“ – genannt Tom. Erschöpft von dem langen Aufstieg, der dünnen Luft und einer erstaunlich heiß strahlenden Sonne genossen wir zunächst einmal eine atemberaubende Aussicht auf unseren Schulcampus und die Umgebung – erstaunlich wie groß unser Campus doch wirken kann. Und dann ging es abwärts: Wir kletterten nicht hoch, sondern seilten uns ab. Das stellte sich als deutlich schwieriger und angsterregender heraus, als es klingen mag. Nach komplizierten Sicherheitsvorkehrungen, mathematischen Berechnungen unseres Kletterlehrers und Notfallanweisungen ging es dann über einen Felsvorsprung hinab und im 90 Grad Winkel ungefähr 20m steil hinunter bis wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Geschafft!Erleichterung! Da vergaß man beinah die wundervolle Aussicht auch auszukosten...

Eine andere Kultur

Was macht man, wenn der Roommate (Zimmergenosse) über das Wochenende nicht da ist? - Man sucht sich einen anderen Freund, mit dem man das Zimmer teilen kann! ;) …. so ging es meiner Mitschülern und mittlerweiler sehr guten Freundin Nayifa (Malediven), die sich sonst ein Zimmer mit Neema (Südafrika) teilt.
Deutsche Schokolade (immer noch die Beste!) und Erdbeeren essend saßen wir also auf Nayifa´s Bett und schauten uns schon zum gefühlten 100sten Mal den Disney-Film „Frozen“ an.
Dann redeten wir – über Regeln und Vorschriften unserer Heimatländer, über Freunde und Familie, Traditionen und Bräuche von Zuhause, Sprachen und Reisen – über unsere Leben. Beide so unendlich verschieden und doch lagen wir beide im gleichen Zimmer in unseren Betten und konnten über die gleichen Dummheiten lachen.
Ist es nicht wundervoll, dass man von so verschiedenen Teilen der Erde kommen kann, sich an diesem einen Platz trifft und es plötzlich Dinge gibt, die einen für ein ganzes Leben verbinden werden?
… Irgendwann fielen uns dann allerdings doch die Augen zu...
5:30 Uhr – der Wecker klingelt, eines der 5 Gebete des Islam steht an. Nayifa schnappt sich ihren traditionellen Teppich und richtet ihn in die entsprechende Richtung. Ich bleibe auf „meinem“ Bett sitzen und betrachte ehrfürchtig und gespannt, was vor sich geht. Nach einer gründlichen Reinigung von Gesicht und Händen verschleiert sie ihr Gesicht, kniet sich hin und betet. Ein Moment unglaublicher Ruhe. Meine Gedanken schweifen zu all den Dingen, über die wir letzte Nacht noch gelacht hatten und ich fange an zu lächeln. Das ist also UWC!

Montag, 19. Mai 2014

Das Ende ist nah...

Schon gut, nicht das Ende der Welt – nein, das Ende meiner ersten Ferien in Afrika!
Es waren schöne und entspannte Ferien, die sich nun mit eben solch einem Wochenende auch verabschiedeten.

Am Freitag Abend trafen wir einen britischen Freund meiner Link Family in einem der eher touristischen Hotels hier in Swasiland. Neben leckerem Essen durfte ich dort noch allerlei interessante Geschichten aus aller Welt erfahren und es ist einfach so faszinierend welche Wege manche Menschen gehen bis sie schließlich herausfinden, wohin sie einmal wollen. Doch auch hinter jedem dieser Wege steckt eine Erfahrung, die einem keiner mehr nehmen kann.


Am Samstag Morgen gingen wir dann auch mit jenem Freund und einem Kollegen meiner Link-Mutti nochmal wandern und die letzten Sonnenstrahlen genießen. Diese waren dann auch schon wieder verschwunden, als wir uns am Nachmittag zur Abschiedsfeier einer weiteren Kollegin aufmachten, mit deren Tochter (Form 5 in Waterford) ich recht gut befreundet bin. Aufgrund der Arbeit wird die ganze Familie in 2 Wochen nach Singapur umziehen. Es war ein bisschen, als hätte das Wetter den Abschiedsschmerz mitempfunden – seit dem ist es nämlich eisig kalt.
Und so genossen wir den Sonntag am Kaminfeuer beim köstlichem Brunch mit Freunden der Familie …

Für mich wird nun morgen wieder die Schule beginnen und ein weiterer sicherlich ebenso spannender Term wartet auf uns!